Verhaltensprobleme
Mobbing in der Schule: Eltern
Beratung der Eltern
Beratung der Eltern des Opfers
Wenn Sie beobachten, dass sich ihr Kind widerwillig oder sogar betrübt auf den Schulweg macht, denken Sie dabei nicht nur an Klassenarbeiten, sondern an Mobbing. Achten sie auf mögliche Zeichen von Mobbing, wie z.B.: ihr Kind
- geht nicht den herkömmlichen Schulweg
- bittet sie inständig darum es in die Schule zu fahren
- geht ungern außer Haus
- fühlt sich öfter krank am Morgen
- schwänzt öfter die Schule
- kommt regelmäßig mit zerstörten Kleidern und Schulbüchern nach Hause
- kommt hungrig nach Hause (vielleicht wurde ihm das Geld für die Pause gestohlen)
- zieht sich immer mehr zurück
- hat Kummer und Angst
- weint sich in den Schlaf etc.
Warten Sie nicht darauf, dass ihr Kind ein solches Thema anspricht.
Schmälern Sie nicht das Leid ihres Kindes, wenn es über Schikanen klagt. Nehmen Sie jedes Wort für wahr und bezeichnen Sie es nicht als bloße Hänselei. Denken Sie an ihre eigene Schulzeit und lassen Sie nicht außer Acht, dass jede Art von Mobbing - verbales, physisches und indirektes gleichermaßen - für ihr Kind vielleicht sehr große Qual bedeutet. Ihr Kind ist sehr verängstigt und glaubt, dass es an ihm liegt, dass es dauernd von anderen schikaniert wird. Geben Sie ihrem Kind verstärkt das Gefühl von Vertrauen und Geborgenheit und ermuntern Sie es von Mobbing zu erzählen. Vergessen Sie nicht, es anschließend als tapfer und mutig zu loben. Berichten Sie ruhig auch über ihre eigenen Erlebnisse aus der Schulzeit.
Suchen Sie gemeinsam mit ihrem Kind nach Wegen um gegen Mobbing anzugehen. Entscheidend dabei ist, was ihr Kind für das Beste hält. Je mehr ihr Kind über das Verhalten der Täter zu berichten weiß und darüber wie es sich selbst dabei fühlt, desto besser können Sie ihrem Kind helfen und es beraten. Schlagen Sie ihrem Kind vor sich in die Lage des Täters hineinzuversetzen. Auf diese Weise kann ihr Kind erkennen, warum die Mitschüler(inne)n so handeln und fühlt sich der Situation nicht mehr völlig ausgeliefert.
Informieren Sie ihr Kind über jeden Schritt den Sie unternehmen. Fragen Sie es unbedingt um sein Einverständnis. Allerdings ist es keinesfalls zu empfehlen ihr Kind z.B. zu einem Gespräch mit dem Lehrer mitzunehmen.
Lenken Sie ihr Kind auf Dinge, die es gerne macht und achten Sie darauf, ihr Kind keinem unnötigen Zusatzstress auszusetzen. Bieten Sie ihm Möglichkeiten an, positive Erfahrungen mit Gleichaltrigen zu machen. Unterstützen Sie Freundschaften und soziale Kontakte außerhalb der Schule.
Übergeben Sie ihrem Kind mehr Verantwortung für Arbeiten, die es gerne verrichtet und die an Erfolgserlebnisse gebunden sind.
Reden Sie mit Lehrern über Mobbing. Seien Sie jedoch darauf vorbereitet, da solche Gespräche bei Lehrern auf Ablehnung stoßen können, da Sie diese in konkreten Zugzwang bringen.
Beratung der Eltern des Täters
Jedes Kind braucht Verhaltensregeln um zu lernen, welches Verhalten angemessen und welches unangebracht bzw. falsch ist. Erntet es für die Einhaltung der Regeln positive Anerkennung, dann wird es diese verinnerlichen und sich in Zukunft eher daran halten, selbst wenn das niemand ständig kontrolliert.
Führen Sie sich vor Augen, dass es wenig Sinn macht, willkürlich Regeln aufzustellen und darauf zu bestehen, dass sie eingehalten werden wenig Sinn macht. Es geht vielmehr darum langfristig und allmählich Strukturen einzuführen, wie man miteinander umgehen kann, ohne ständig in Konflikte oder Schwierigkeiten zu geraten.
Denken Sie darüber nach, welches Verhalten ihres Kindes verändert werden sollte und welches Verhalten ihres Kindes „völlig okay“ ist. Fertigen Sie eine ,.Wunschliste an und notieren Sie drei Dinge nach ihrer Wichtigkeit, die sich ändern sollten. Eine Liste ebenfalls nach ihrer Wichtigkeit geordnet, sollten Sie mit den Dingen die ihr Kind gerne mag, anfertigen. Auf dieselbe Weise verfahren Sie mit einer Liste über
effektive Maßnahmen, mit denen Sie ihr Kind „einschränken“.
Zuletzt sollten Sie eine dritte Liste anfertigen, auf der in drei Spalten
a) effektive Maßnahmen stehen, die einsetzbar sind
b) wenn etwas schlecht gelaufen ist
c) wenn etwas gut gelaufen ist.
Positive Maßnahmen (z.B. Kinobesuch) sollten ermutigen, während negative Maßnahmen (z.B. „Müll raustragen für eine Woche“) sollten unangenehm, aber nicht beschämend oder verletzend sein sollten.
Ein Beispiel:
Sie könnten sich dafür ein geeignetes Spiel überlegen. Einigen Sie sich gemeinsam mit ihrem Kind auf die aufgestellten Regeln und dieses Spiel. Spielen Sie z.B. um Punkte. Jeden Tag stehen 10 Punkte für Sie und ihr Kind zur Verfügung. Verstößt ihr Kind im Laufe des Tages gegen Regeln (z.B. keine Schimpfwörter), so bekommen Sie für jede nicht eingehaltene Regel einen Punkt. Die übrig gebliebenen Punkte am Ende eines Tages bekommt ihr Kind. Ihr Kind kann diese Punkte sammeln und bei beispielsweise einer Anzahl von 60 Punkten darf ihr Kind in den Zoo. Haben Sie am Ende der Woche mehr Punkte als ihr Kind gesammelt, so besteht die Aufgabe Ihres Kindes darin, beispielsweise den Vogelkäfig saubermachen. Hält ihr Kind die Regeln des Spiels nicht ein, so bestrafen Sie es zunächst mit der geringfügigsten Maßnahme auf ihrer Liste (z.B. der wöchentliche Kinotag entfällt). Ist diese Maßnahme nicht wirksam, so sollten sie die nächste unangenehme Maßnahme auf Ihrer Liste einsetzen usw..
Loben Sie ihr Kind, wenn es die Aufgaben erfüllt hat und belohnen Sie es angemessen. Wenn Sie das Gefühl haben, dass sich die neue Regel etabliert hat, können Sie auf ihrer Liste fortfahren und die nächste Anforderung stellen.
Es dauert bis sich die Regeln etabliert haben. Geben Sie sich 46 Wochen und beurteilen Sie ihren Erfolg. Wenn Sie in regelmäßigen Abständen den Stand der Entwicklungen überprüfen, können Sie sich einer neuen Situation besser anpassen, sie verändern und auf diese Weise unter Kontrolle behalten.
Quelle:
LMU - München Dr. Kulis
Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie
Mai 2005









